Wenn es stimmt, dass wir uns in einer offenen Zeitenwende befinden, braucht es konkrete Strategien bei der zukünftigen Gestaltung. Methoden aus Kunst und Design können dabei unterstützen. Doch wie unterscheiden sich die Vorgehensweisen?

Mal ganz grob zunächst einige Merkmale, die einige Unterschiede zwischen den beiden Gestaltungsansätzen herausschälen wollen: Mit einem auf ein Ziel gerichteten Design erfüllen wir in der Regel eine konkrete Aufgabe. Designer wollen ein Problem lösen. Und daraus ergibt sich eine Verkettung von Aufgaben. Ein Smartphone zum Beispiel wird erst dann gerne genutzt, wenn es für den Anwender übersichtlich, funktional und ästhetisch ist. Hier braucht es für den Entwurf des Gerätes dann ein präzises Design – Ziel, das die Konstrukteure ohne Umwege erreichen wollen. Sie überlegen, kalkulieren, entwerfen. Wenn das Teil am Ende, also nach der Produktion, dann reibungslos funktioniert, ist die Aufgabe und das Problem – ein Smartphone herzustellen, gelöst.

Natürlich finden solche Design – Strategien nicht nur beim Entwurf von Produkten Anwendung, sondern sie punkten überall dort, wo es um eine stabile und konkrete Erfüllung einer Aufgabe geht: Wir finden zielgerichtete Methoden der Formgebung überall dort, wo Menschen im Wechselspiel mit ihrer Umwelt agieren, um eine Verbesserung oder Verschönerung ihrer Lebensumstände zu erreichen: Beispielsweise in der Mode, der Kommunikation, bei logistischen Problemen, im Verkehr, in der Medizin, natürlich auch in der Architektur, und selbst Politik und in Teilen auch Psychologie und sogar Sprache läßt sich mit einem festen Gestaltungsziel verbinden. Designer:innen lernen voneinander, holen sich Inspirationen aus der Natur, machen Fehler, korrigieren und entwerfen immer wieder neu, um ihrem hohen Ziel näher zu kommen.

Wozu braucht es dann aber Kunst? Der künstlerische Prozess unterordnet sich nicht einem festgelegten Ziel. Kunst bleibt – wenn’s gut geht – zweckfrei. Dadurch können durch künstlerische Strategien neue Sichtweisen, Fragen und Ideen entstehen. Mehr noch: In der Kunst können wir frei spielen, mit unterschiedlichen Medien spielen,Tabus übertreten, experimentieren und – wir dürfen hier auch endlich dem absurden oder ungewohnten Fremden offen begegnen. Und dies wird für uns alle überlebenswichtig. Die Arbeit in der Kunst bietet als Ergänzung für unsere kreative Gestaltung eine weitere wertvolle Qualität: In der Kunst erwacht eine kreative Unruhe und eine fruchtbare Un – Eindeutigkeit. Allein dadurch ergibt sich ein größerer Freiraum für neue Ideen. 
Durch ein offenes Zusammenspiel der beiden Gestaltungsstrategien, dem zielgerichtete Design und der zweckoffenen Kunst kann dann ein kulturelles Wachstum möglich werden.

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