Quellen im Zeitalter von KI sind keine festen Brunnen mehr, an denen man einfach schöpft, sondern bewegliche Ströme, die sich mischen, überlagern, neu zusammensetzen. Eine Künstliche Intelligenz ist kein Autor, der eigene Erlebnisse hat, sondern ein Sammler und Arrangeur – gespeist aus Abermillionen Texten, Bildern, Datenpunkten. Das macht die klassische Quellenkritik dringlicher denn je: Wer spricht hier eigentlich? Ist die Information aus einem überprüfbaren Ursprung, oder ist sie ein synthetisiertes Mosaik aus unbekannten Fragmenten?

Der Begriff „Quelle“ bekommt in diesem Kontext zwei zusätzliche Dimensionen. Erstens die Transparenzquelle: die Offenlegung, welche Datensätze, Archive, Publikationen ein Modell gespeist haben – oft ein blinder Fleck, da viele Systeme proprietär sind. Zweitens die Prozessquelle: die Beschreibung, wie aus Eingangsdaten ein neues Stück Text oder Bild generiert wurde.

Im wissenschaftlichen und journalistischen Arbeiten reicht es nicht mehr, auf den Text selbst zu verweisen – man muss auch den Entstehungsmechanismus hinterfragen. Und im kreativen Bereich wird die Quelle zunehmend relational: Sie liegt nicht allein in der Vergangenheit, sondern auch in der Auswahl und Gewichtung, die Du als Mensch im Dialog mit der Maschine triffst. In diesem Sinn ist die Quelle nicht verschwunden – sie ist nur tiefer ins Gewebe gerutscht, das wir erst entwirren müssen, bevor wir ihm vertrauen.