Es steckt schon alles im Wort selbst.
Begreifen kommt von greifen – mit den Händen fassen, anfassen, in die Hand nehmen. Wer etwas begreift, der packt es. Nicht metaphorisch, sondern ursprünglich ganz wörtlich: Der Mensch versteht die Welt zuerst über die Hand.
Daraus wurde, irgendwann im Mittelhochdeutschen, das Abstraktum: der Begriff. Was man begriffen hat – was man geistig gefasst, umschlossen, gehalten hat. Ein Begriff ist also eine Art mentaler Griff. Eine kognitive Zange, mit der wir Dinge aus dem Strom der Welt herausheben und festhalten.
Warum ist das keine Kleinigkeit?
Weil Sprache hier etwas verrät, was Philosophen Jahrhunderte beschäftigt hat: Denken ist körperlich. Nicht nur abstrakt, nicht nur im Kopf. Es fängt in den Fingern an. Das Kleinkind greift nach dem Löffel, nach dem Gesicht der Mutter, nach allem – und lernt dabei, was Dinge sind. Lange bevor es Worte hat.
Dieser Vorgang – vom Greifen zum Begreifen – ist keine Metapher, die irgendwann erfunden wurde. Er ist der tatsächliche Weg, den menschliches Verstehen nimmt.
