Die Moderne liebte das Raster. Sie liebte klare Disziplinen, saubere Methoden, trennscharfe Zuständigkeiten. Kunst sollte berühren oder irritieren, Wissenschaft erklären oder beweisen, Philosophie begründen oder kritisieren. Jede Sphäre hatte ihren Ton, ihre Werkzeuge, ihre Rituale. Diese Trennungen waren produktiv. Sie haben Präzision erzeugt, Tiefe ermöglicht, Exzesse gebändigt. Aber sie hatten ihren Preis. Wo Zuständigkeiten scharf gezogen werden, entstehen auch Blindstellen. Die Kunst sah manchmal mehr von der Erfahrung als die Wissenschaft, konnte es aber nicht messen. Die Wissenschaft erfasste Zusammenhänge, die Philosophie längst geahnt hatte, konnte aber ihren Sinn nicht aus sich selbst heraus bestimmen. Die Philosophie analysierte Begriffe und Ordnungen, ohne immer in den widerständigen Stoff des Lebens zurückzugreifen. Zwischen den Bereichen entstand nicht nur Differenz, sondern oft auch Schweigen.
Fluides Design setzt genau an dieser Schwelle an. Es ist kein weiterer modischer Oberbegriff, kein hübsch lackierter Sammelcontainer für Interdisziplinarität. Es ist der Versuch, eine andere Grundhaltung zu formulieren. Diese Haltung geht davon aus, dass Wirklichkeit nicht in erster Linie aus isolierbaren Dingen besteht, sondern aus Wechselwirkungen, Rhythmen, Rückkopplungen, Resonanzen. Wer unter solchen Bedingungen gestalten, forschen oder denken will, muss lernen, Prozesse nicht als störende Nebengeräusche fester Systeme zu betrachten, sondern als eigentlichen Ort der Erkenntnis.
