Feuerwetter

von Thomas Schmenger

Waldbrände gelten gemeinhin als eindeutige Folge des Klimawandels, doch die Forschung zeichnet ein differenzierteres Bild: Sie zeigt, wie stark heißeres Feuerwetter Brände befeuert, warnt aber zugleich vor voreiligen Zuschreibungen einzelner Ereignisse. Der Text ordnet den Streit unter Fachleuten ein und zeigt anhand aktueller Fälle aus Pfälzerwald, Eifel, Harz und den Nachbarländern, warum auch der deutschsprachige Raum nicht länger zuschauen sollte.

Was die Wisenschaft wirklich sagt – und wo sie selbst uneins ist

Der Wald hat keine Meinung zum Klimawandel. Er brennt, wenn die Bedingungen stimmen – trocken, heiß, windig. Dann ist Feuerwetter. Der Rest ist menschliches Bedürfnis nach Erklärung, das sich in den Kommentarspalten der Nachrichtenportale entlädt.

Was sagt die Forschung wirklich, jenseits von Empörung und Reflex? Die gute Nachricht vorweg: Es ist weniger kompliziert, als es online klingt.

Ein Punkt, über den kaum noch gestritten wird

Fachleute sind sich in einem Punkt einig: Das sogenannte Feuerwetter wird schärfer. Gemeint ist die Mischung aus Hitze, Trockenheit und Wind, die aus einem kleinen Feuer in Minuten eine Katastrophe macht.

Eine aktuelle Übersichtsstudie im Fachjournal Environmental Research: Climate bestätigt das für den Mittelmeerraum und den Westen Nordamerikas – gestützt auf Untersuchungen seit 2016. Und Deutschland? Längst mittendrin. Nach Jahrzehnten rückläufiger Zahlen steigt die verbrannte Fläche seit 2018 wieder, mit Rekordwerten in den Hitzejahren 2018, 2019 und 2022. Die Hauptlast trägt Brandenburg, sandige Böden, viel Kiefer – Sachsen, Sachsen-Anhalt und zunehmend auch Bayern ziehen nach.

Noch auffälliger der Blick nach Norden: Forscher beschrieben im Oktober 2024, wie die borealen Nadelwälder von Alaska über Kanada bis Sibirien inzwischen mehr CO2 freisetzen als die Brände in den Tropen. Boreal, das sind die kühlen Nadelwaldgürtel rund um den Polarkreis. Die Feuer wandern, so scheint es, näher an uns heran.

Bestritten wird das kaum noch.

Rechnen, was ohne Erderwärmung nicht passiert wäre

Spannender wird es bei der Attributionsforschung. Dieser junge Forschungszweig vergleicht mit Computermodellen zwei Versionen der Erde: die reale, wärmere Welt und eine simulierte Welt ohne menschengemachte Erwärmung. Der Unterschied zeigt, wie sehr der Klimawandel ein Ereignis wahrscheinlicher gemacht hat.

Für die Waldbrände im Nordosten Amazoniens kommt eine Auswertung im Fachjournal Earth System Science Data so auf ein drastisches Ergebnis: Extremes Feuerwetter wurde dreißig- bis siebzigmal wahrscheinlicher, die verbrannte Fläche etwa vervierfacht. Auch für die Hitze- und Dürrewellen in Mitteleuropa 2026 fiel der Befund der Initiative World Weather Attribution eindeutig aus.

Heißt das, jeder einzelne Brand lässt sich sauber dem Klimawandel zuschreiben? Nein, und genau hier beginnt der spannendere Teil der Geschichte.