Wasser lassen!

Auch wenn Putin pinkelt, macht das Wasser das, was es immer tut: Es fließt. Es fällt. Es kehrt zurück. Zu allen.
Thomas Schmenger

Wir haben gelernt, Strom aus Sonnenlicht zu gewinnen und Krankheiten zu besiegen, die Generationen vor uns töteten. Aber Wasser – das einzige, ohne das nichts davon möglich wäre – lassen wir durch undichte Rohre sickern, in Bewässerungsanlagen verdunsten, in leise bröselnden Plastikflaschen schwappen. Was sagt das über uns?

Wasser macht meist wenig journalistischen Lärm. (Wenn es nicht gerade wie bei Niagaras Fällen fällt.) Es gründet kein Start-up, hält keine Keynote und trägt auch sonst erstaunlich wenig zum Glamour der Moderne bei. Und trotzdem hängt fast alles an ihm: Gesundheit, Landwirtschaft, Industrie, Energie, Hygiene, Städte, Stabilität. Nimmt man Wasser aus der Gleichung, bleibt vom großen Gerede über Wachstum vor allem … die heiße Luft.

Das ist die eigentliche Pointe. Im Alltag wirkt Wasser so zuverlässig, dass man es kaum noch bemerkt. Es kommt, es fließt, es verschwindet wieder. Manchmal glorreich, manchmal chlorreich. Fast schon unverschämt professionell. Gerade deshalb verwechseln wir Verfügbarkeit gern mit Unendlichkeit. Ein klassischer Denkfehler: nur weil etwas aus dem Hahn kommt, fällt es nicht vom Himmel in beruhigenden Mengen.

Und nein, es geht nicht nur um das Glas Wasser auf dem Tisch. Wasser steckt in Lebensmitteln, in Krankenhäusern, in Produktionsprozessen, in Kraftwerken, in Böden, Flüssen und Wäldern. Es hält nicht nur Menschen am Leben, sondern ganze Systeme bei Verstand. Wenn Wasser knapp wird, verschmutzt ist oder ungerecht verteilt wird, dann ist das kein Randproblem für Umweltromantiker. Dann wird es schnell sehr konkret: Versorgung, Preise, Gesundheit, soziale Spannungen, wirtschaftliche Risiken. Mit anderen Worten: Wasser ist selten das Thema auf dem Podium, aber erstaunlich oft der Grund, warum es hinter dem Podium kriselt.

Deutschland steht im internationalen Vergleich recht stabil da. Das ist gut. Es ist aber kein Freifahrtschein zur behaglichen Ahnungslosigkeit. Auch hier müssen Wasserressourcen geschützt, Grundwasser gesichert und Nutzungen klug koordiniert werden. Stabilität bedeutet nicht, dass das Problem gelöst ist. Oft bedeutet sie nur, dass das System bisher tapfer durchhält und wir hoffen, es möge bitte noch eine Weile so weitermachen. Solange auf den Feldern versprühtes Glyphosat jahrelang in unseren Lebenssaft durchsickert und dieser Cocktail dann um die Erde wandert, muss sich der greise Putin fragen: Was pinkel ich da eigentlich? Plastik?, Antibiotika? Wasserlassen im Alter ist manchmal kompliziert und quälend!

Die strategische Schlussfolgerung ist deshalb fast unerquicklich schlicht: Wasser ist nicht bloß eine Ressource. Wasser ist die Grundlage. Wer sie vernachlässigt, wirtschaftet nicht modern, sondern kurzsichtig. Oder, weniger höflich gesagt: Wer Zukunft plant, ohne Wasser ernst zu nehmen, baut ein Penthouse auf Pudding.

Unser Leben braucht Grundlagen. Wasser ist die erste. Lasst uns tanzen.