Wer fährt am sparsamsten mit Strom?

Was schon da ist – und was erst gebaut werden muss

Ein oft übersehener Vorteil der direkten Elektrifizierung: Sie baut auf Infrastruktur auf, die bereits existiert. Stromnetze müssen ausgebaut und modernisiert werden, aber sie sind vorhanden. Ladeinfrastruktur wächst, Speicher werden ergänzt. Eine große Aufgabe – aber innerhalb eines bekannten und immer besser funktionierenden Systems.

Wasserstoff und E-Fuels dagegen brauchen völlig neue Strukturen:

Pipelines, Verflüssigungsanlagen, Synthesefabriken, spezielle Tanklogistik, neue Sicherheitsstandards. Das ist kapitalintensiv und braucht lange Vorlaufzeiten. Man kann diese Netze aufbauen. Aber man sollte ehrlich sagen, dass sie nicht über Nacht entstehen – und dass sie Investitionen binden, die anderswo fehlen könnten.

Batterie – aber wie?

Batterietechnologien haben in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen. Energiedichten steigen, Kosten sinken, Lebensdauern wachsen. Gleichzeitig diversifizieren sich die Zellchemien: Varianten ohne Kobalt, mit weniger Nickel, auf Basis von Lithium-Eisenphosphat. Der Rohstoffmix wird flexibler. Recycling entwickelt sich vom Randthema zum industriellen Standard.

Warum ist das wichtig? Weil diese Lernkurven in der Herstellung kein Zufall sind, sondern das Ergebnis globaler Skalierung: Je mehr produziert wird, desto effizienter werden Prozesse, desto günstiger die Komponenten.

Rohstoffe? Nicht nur Batterien haben einen Fußabdruck

Der Rohstoffdiskurs verengt sich gern auf Batterien. Doch auch Wasserstoff- und E-Fuel-Systeme sind keine materialfreien Zonen. Katalysatoren in Elektrolyseuren und Brennstoffzellen benötigen Edelmetalle wie Platin. Syntheseanlagen verschlingen Stahl, Beton und komplexe Technik. Entscheidend ist nicht, ob eine Technologie Rohstoffe braucht – das tun sie alle –, sondern wie effizient diese Materialien genutzt werden.

Auch hier spielt der Wirkungsgrad eine zentrale Rolle. Denn er bestimmt, wie viel Infrastruktur insgesamt nötig wird – und damit auch, wie viel Material.

Klimaneutral? Nur mit sauberem Strom

Keine der drei Technologien ist von sich aus klimaneutral. Ein Elektroauto fährt nur dann emissionsarm, wenn der Strom aus erneuerbaren Quellen stammt. Wasserstoff ist nur dann grün, wenn er ohne fossile Energien erzeugt wird. E-Fuels sind nur dann sauber, wenn sowohl das CO₂ als auch der Produktionsstrom aus nachhaltigen Quellen kommen.

Diese Bedingungen sind anspruchsvoll und nicht automatisch erfüllt. Schöne Etiketten wie “technikoffen ” ersetzen aber keine ehrliche Bilanz. Wer Klimaschutz ernst meint, muss die gesamte Kette betrachten – vom Kraftwerk bis zum Rad.

Weniger Umwege, weniger Konflikte

Jede zusätzliche Umwandlungsstufe erhöht den Bedarf an Erzeugung, Transport und Speicherung. Direkte Elektrifizierung reduziert diese Komplexität. Das entlastet Netze, senkt den Speicherbedarf und verringert den Flächenverbrauch für Erzeugungsanlagen.

Dieser Systemeffekt ist politisch relevant, weil er über Akzeptanz entscheidet. Weniger Infrastruktur heißt weniger Genehmigungsverfahren, weniger Bürgerinitiativen, potenziell schnellere Umsetzung. Effizienz wird hier zur sozialen Ressource. Kurz: Die Verbraucher zahlen am Ende weniger.