Nicht wie die Welt ist, ist das Mystische, sondern dass sie ist.
Als der Philosoph Ludwig Wittgenstein diesen Satz notierte, saß er vermutlich wieder mal in einer seiner selbstgewählten Einöden – norwegische Hütte, irisches Fischerdorf, irgendwo weit weg von Kollegen, die ihm auf die Nerven gingen. Wittgenstein war ein Meister der Flucht. Und des Grübelns über Dinge, die sich eigentlich nicht sagen lassen.
Das größte Wunder – und keiner merkt’s
Wittgenstein meinte: Das eigentliche Wunder ist, dass überhaupt etwas ist – statt nichts. Nicht, dass Jesus übers Wasser lief oder jemand im Lotto gewinnt. Sondern dass morgens die Sonne aufgeht, dass dieser Text hier existiert, dass wir atmen, denken, Kaffee trinken.
Klingt banal? Eben. Das ist das Verrückte daran. Wir laufen durch ein permanentes Wunder und finden es völlig normal. Erst wenn etwas kaputtgeht – der Körper, eine Beziehung, das Klima – merken wir: Ach so, das war also nicht garantiert.
