Der zwei Prozent Anteil
Ein Zwei-Prozent-Anteil, der so klein wirkt, dass er beinahe zum Verschwinden einlädt – und doch steckt darin eine der größten Fehlschlüsse der Klimadebatte. Schauen wir genauer hin. Die Zahl stimmt – die Schlussfolgerung nicht Deutschland war 2024 für rund 579,9 Millionen Tonnen CO2-Emissionen verantwortlich, ein Anteil von 1,46 Prozent an den weltweiten Emissionen. So weit, so unstrittig. Doch aus einer kleinen Zahl folgt nicht automatisch eine kleine Verantwortung – das ist der Denkfehler, dem das Argument seine scheinbare Überzeugungskraft verdankt. Erstens: Die Momentaufnahme trügt. Betrachtet man den Treibhausgas-Ausstoß über einen langen Zeitraum, etwa von 1850 bis 2002, ändert sich das Bild deutlich – die USA kommen dann auf 29,3 Prozent, China auf 7,6 Prozent und Deutschland auf 7,3 Prozent aller Emissionen in diesem Zeitraum. Der Grund: Da die Treibhaus-Wirkung von Kohlendioxid in der Atmosphäre teilweise Hunderte von Jahren anhält, zählen für den Beitrag eines Landes zum gegenwärtigen Klimawandel eigentlich die aufaddierten Emissionen über lange Zeiträume – nicht nur die momentanen. Vereinfacht gesagt: CO2, das ein Kraftwerk 1960 ausgestoßen hat, wärmt die Atmosphäre heute noch mit. Zweitens: Das Argument funktioniert für jeden – und damit für niemanden. Wenn “unser Anteil ist zu klein, um etwas zu bewirken” als Ausrede gilt, dann gilt sie für praktisch jedes Land der Erde. Selbst die beiden größten Verursacherstaaten, China und die USA, sind zusammengenommen für weniger als die Hälfte der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich – mehr als fünfzig Prozent stammen von anderen Ländern. Würde also jedes Land mit einem Anteil unter fünfzig Prozent die Hände in den Schoß legen, passierte – […]
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