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Ein Streit, der nirgendwo mehr stattfindet

Irgendwo zwischen einer Bewerbung, die abgelehnt wird, und einer Schulnote, die plötzlich anders ausfällt, trifft heute immer öfter kein Mensch mehr die Entscheidung, sondern ein System, das aus Millionen Beispielen gelernt hat. Das wäre halb so wild, wenn man diesem System noch widersprechen könnte wie früher einem Sachbearbeiter am Schreibtisch. Kann man aber meistens nicht. Die folgenden sieben Punkte erzählen, wie aus nachvollziehbaren Entscheidungen leise verschwindende Entscheidungen werden, warum das mehr ist als ein technisches Detail, und was es bräuchte, damit Menschen einer Maschine wieder widersprechen können, ohne sich dabei wie Don Quijote gegen eine Windmühle zu fühlen. Es geht, kurz gesagt, um die Frage, wie viel Mitsprache in einer Welt übrig bleibt, in der Entscheidungen zunehmend in Code statt in Gesprächen stattfinden. Entscheidungen verschwinden nicht, sie verstecken sich Wer entscheidet eigentlich, was ein Algorithmus für wichtig hält, und warum erfahren wir das so selten? Du denkst vielleicht, eine KI rechnet einfach nur. Tut sie nicht. Jedes Mal, wenn ein System festlegt, was als “Erfolg” zählt oder welche Daten überhaupt wichtig sind, trifft es eine Wertentscheidung, nur klingt das leider nach Mathematik statt nach Meinung. Und genau das ist der Trick: Eine Entscheidung, die eigentlich diskutabel wäre, wird als technische Notwendigkeit verkleidet. Genau hier beginnt eine der drängendsten Fragen der aktuellen KI-Debatte, von Brüssel bis ins Silicon Valley. Ein Konflikt wird eingefroren, nicht gelöst Was passiert eigentlich mit einem gesellschaftlichen Streit, wenn ihn niemand mehr führt, weil eine Maschine ihn längst “gelöst” hat? Ein eingefrorener Konflikt ist wie Tiefkühlkost, die im Fach liegt und darauf […]

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Menschengemachter Klimawandel

Der Konsens, der wächst – und doch derselbe bleibt Wie sicher ist sich die Wissenschaft eigentlich, wenn sie von der Klimakrise spricht? Wer diese Frage stellt, landet unweigerlich bei einer Zahl, die seit zwei Jahrzehnten durch Talkshows, Leitartikel und Konferenzsäle geistert: 97 Prozent. Doch diese Zahl hat eine Geschichte – und die beginnt nicht mit einem runden Prozentsatz, sondern mit einer Historikerin, die sich durch fast tausend Fachtexte arbeitete. 2004 – Naomi Oreskes, Science. Die amerikanische Wissenschaftshistorikerin durchforstete 928 sogenannte Abstracts, also die Kurzfassungen wissenschaftlicher Studien, die zum Suchbegriff Klimawandel erschienen waren. Ihr Befund: Keine einzige Arbeit widersprach der These, dass der Mensch die Erwärmung verursacht. Kein Konsens in Prozent also, sondern schlicht die Abwesenheit einer ernstzunehmenden Gegenstimme in der Fachliteratur. 2010 – Anderegg und Kollegen, PNAS. Sechs Jahre später fragte ein Team um den Ökologen William Anderegg nicht mehr, was in den Texten steht, sondern wer sie schreibt. Unter den aktiv publizierenden Klimaforschern, so das Ergebnis, stützten 97 bis 98 Prozent die zentrale Aussage zum menschengemachten Wandel. Die Perspektive hatte sich verschoben – von der Analyse der Texte zur Haltung der Forschenden. 2013 – John Cook und Team, Environmental Research Letters. Der australische Klimakommunikator John Cook griff das Prinzip von Oreskes wieder auf, skalierte es aber gewaltig: Fast 12.000 Abstracts wurden ausgewertet. Unter jenen Arbeiten, die überhaupt eine klare Position bezogen, sprachen sich 97,1 Prozent für die menschliche Verursachung aus. Diese Studie wurde zur meistzitierten Referenz der Klimadebatte – und zugleich zur meistangegriffenen. 2016 – Cook und Kollegen, dieselbe Zeitschrift. Statt einer neuen Erhebung

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Zuhören! Ein Werkzeugkasten für Unterwegs

Du sitzt am Familientisch. unter Kollegen, Geburtstag, irgendein Anlass, bei dem alle da sind. Und dann sagt jemand diesen einen, verschwurbelten Satz zum Klimawandel. Oder zur Rente. Oder zur Migration. Fern von allen Fakten. Weit entfernt von deinen gesellschaftlien Haltungen. Du weißt sofort: Jetzt wird es eng. Die Stimmung wird grau. Die Fronten sind längst klar, bevor überhaupt ein Argument gefallen ist. Jeder hat seine Seite, jeder wartet nur darauf, dass der andere aufhört zu reden. Genau davon soll es hier handeln. Nicht davon, wer recht hat. Sondern davon, wie man überhaupt wieder ins Gespräch kommt. Es geht hier nicht um rhetorische Tricks, um sprachliche Manipulation. Nur ein etwas anderer Blick auf ein altes Problem. Und sieben einfache Handgriffe, die eventuell helfen. 1. Ohne Fronten Am Familientisch ist es so leicht, jemanden zum Gegner zu machen. Die Politik. Die andere Generation. Der Onkel mit der lauten Meinung. Und ja, das schweißt kurz zusammen – die einen gegen die anderen. Aber wer zum Gegner erklärt wird, hört auf zuzuhören. Am Ende reden nur noch die miteinander, die sowieso einer Meinung sind. Besser ist die Frage: Was wollen wir eigentlich beide? Der Onkel und du wollt vermutlich beide eine gute Zukunft für die Kinder am Tisch. Nur der Weg dahin sieht in euren Köpfen anders aus. Das ist keine Kluft. Das ist ein gemeinsamer Ausgangspunkt. 2. Der TüröffnerStell dir vor, jemand beginnt das Gespräch mit einer Zahl. „Die Temperatur ist seit 1880 um 1,2 Grad gestiegen.” Alle nicken höflich und denken schnell an etwas anderes. Zahlen öffnen

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Sparringspartner

Ein Sparringspartner ist ursprünglich jemand, mit dem man im Boxen oder Kampfsport trainiert – nicht um zu gewinnen, sondern um sich gegenseitig besser zu machen. Im übertragenen Sinn meint man damit heute jemanden, der einem widerspricht, Ideen challenged oder Gegenargumente liefert, damit man selbst schärfer denkt oder sich besser vorbereitet – etwa vor einer Verhandlung, Präsentation oder Entscheidung.

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Von Kusama lernen

Yayoi Kusama lebt seit Jahrzehnten freiwillig in einer Psychiatrie – und begeistert von dort aus Millionen. Ihre Punkte, Netze und Spiegelräume zeigen: Was dich quält, kann dein Material werden. Sieben Bemerkungen zu einem persönlichen Weg, der keine Deadline kennt.

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Sparringspartner

Warum trainieren Boxer nie allein? Weil ein Sandsack nicht zurückschlägt. Was für den Ring gilt, gilt für jedes Vorhaben: Ideen, die nie auf Widerstand treffen, bleiben weich. Sieben Rollen, die ein Sparringspartner einnehmen kann – ein Werkzeug in sieben Portionen, vom Widerstand bis zum Cornerman.

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