Der Nährwert einer Meinung

Es reicht nicht zu fragen, ob ein Politiker die Wahrheit sagt – wir müssen fragen, was seine Worte mit uns machen.
Thomas Schmenger

Manipulierende Politiker lügen selten offen. Sie sagen die Wahrheit – aber gerne nur die halbe, und genau die Hälfte, die ihnen nützt.

Das, sagt Mirko Lange, ist das eigentliche Problem in unseren Debatten. Und er kennt sich aus: Zwanzig Jahre lang hat er als PR-Berater großen Firmen beigebracht, wie man Menschen überzeugt, ohne sie wirklich zu informieren. Auf der re:publica 2026, dem großen Digitalfestival in Berlin, hat der ausgebildete Jurist nun die Seiten gewechselt. Er stellte ein Werkzeug vor, das genau die Tricks aufdeckt, die er früher selbst benutzt hat.

Sein Projekt heißt Democracy Intelligence. Es fragt bei politischen Aussagen nicht nur: Stimmt das? Sondern vor allem: Wie wirkt das auf uns? Dafür vergibt es Noten von A bis E – ähnlich wie der Nutri-Score, der auf Lebensmitteln zeigt, wie gesund sie sind. Dahinter steckt ein unbequemer Gedanke: Wenn schon unsere Meinungsbildung vergiftet ist, nützt auch die fairste Wahl nichts mehr. Wir wählen dann zwar frei – aber nur zwischen Meinungen, die andere längst für uns vorbereitet haben.

Es gibt einen Bereich, der vor der eigentlichen Demokratie liegt und über den kaum jemand spricht. Bevor wir wählen, bevor etwas beschlossen und regiert wird, bildet sich in uns eine Meinung. Und wer diesen Bereich steuert, steuert am Ende auch das Ergebnis – ganz gleich, wie korrekt alles Weitere abläuft.

Genau hier setzt Mirko Lange mit seinem Projekt an. Er kennt beide Seiten: Nach dem Jurastudium ging er, wie er selbst sagt, in die „professionelle Desinformation” – gemeint ist die PR, also die Kunst, im Auftrag anderer zu überzeugen. Rund zwei Jahrzehnte beriet er Konzerne und baute eine der am schnellsten wachsenden Softwarefirmen Deutschlands auf. Dann stieg er aus und stellte sich eine Frage: Wie lässt sich all dieses Wissen nutzen, um die Demokratie zu schützen, statt sie auszuhöhlen?