Dieselbe Antwort aus Peking, Pune und Nairobi
Besonders überzeugend wird die Sache dadurch, dass sie an drei völlig unabhängigen Orten der Welt noch einmal nachgemessen wurde. Die China Meteorological Administration verzeichnet seit Beginn ihrer Aufzeichnungen 1961 einen klaren Aufwärtstrend, 2022 war mit 16,4 Hitzetagen pro Messstation ein Rekordjahr, und für die Hitzewelle vom Juli 2023 fanden Attributionsforscher, dass sie durch den Klimawandel fünfzigmal wahrscheinlicher und ein Grad heißer geworden ist. Der Indische Wetterdienst IMD verzeichnete für 2025 offiziell das achtwärmste Jahr seit 1901, und für die Hitzewelle Ende April 2026 rund um Delhi und Lucknow fanden Forscher: menschengemachte Erwärmung dominant, natürliche Schwankungen nur Nebendarsteller, wobei die Forschungsgruppe ClimaMeter selbst fair einräumt, dass die Robustheit dieser Schätzung wegen der Außergewöhnlichkeit des Ereignisses nur gering einzustufen ist. Aus Afrika liefert die kenianische Klimaforscherin Joyce Kimutai von World Weather Attribution die vielleicht deutlichsten Worte: Für die Hitzewelle in der Sahelzone Ende März und Anfang April 2024, bei der die malische Stadt Kayes 48,5 Grad meldete, kam ihre Forschungsgruppe zum Schluss, ein solches Ereignis wäre ohne menschengemachten Klimawandel schlicht nicht möglich gewesen.
Ein globaler, kein westlicher Befund
Genau diese Wiederholbarkeit über Kontinente, Institutionen und politische Systeme hinweg ist es, die aus einer einzelnen Studie einen wissenschaftlichen Konsens macht. Die Aussage, wonach die Hitze vor allem menschengemacht ist, kommt nicht aus einem einzigen Labor in Europa oder den USA, sie wird unabhängig nachgemessen, mit eigenen Daten, eigenen Modellen, eigenen Fachpublikationen. Wer also den nächsten Hitzesommer erlebt und sich fragt, wem man das eigentlich glauben soll: Es sind längst nicht mehr nur die üblichen Verdächtigen.
Der Zweifel zieht um
An dieser Stelle lohnt eine Unterscheidung, die in der öffentlichen Debatte oft verschwimmt: wissenschaftlicher Zweifel und gesellschaftlicher Zweifel sind zwei komplett verschiedene Dinge. Der erste ist, wie gezeigt, kaum noch vorhanden, er hat sein altes Zuhause in den Fachjournalen praktisch geräumt. Der zweite ist dafür umso hartnäckiger eingezogen, und zwar keineswegs gleichmäßig über den Globus verteilt: Eine Ipsos-Umfrage für den Energiekonzern EDF in 29 Ländern findet, dass 36 Prozent der Weltbevölkerung die menschlichen Ursprünge des Klimawandels bezweifeln. Die Studie beschreibt dabei ein auffälliges, aber nicht kausal belegtes Muster: Bewohner erdöl- und erdgasabhängiger Länder wie Saudi-Arabien lehnen die menschliche Verantwortung überdurchschnittlich oft ab, hält zugleich aber fest, dass sich der Zweifel in vulnerablen wie in widerstandsfähigeren Ländern ähnlich hartnäckig hält. Fast tröstlich dagegen: Ausgerechnet Länder des Globalen Südens, die den Klimawandel längst am eigenen Leib spüren, gehören zu den überzeugtesten, in Südamerika sind 66 Prozent absolut sicher, dass beobachtete Wetterextreme auf den Klimawandel zurückgehen.
Und was heißt das jetzt für dich?
Die vielleicht unterschätzte Pointe dieser ganzen Geschichte ist keine dunkle Prophezeiung, sondern eine Erfolgsmeldung der Wissenschaft: Ein Problem, das so groß ist wie das Weltklima, lässt sich heute so genau vermessen, dass ein einzelnes Grad einer Hitzewelle einem konkreten Verursacher zugeordnet werden kann. Das ist keine kleine Leistung, und es ist die Voraussetzung für alles, was als Nächstes kommt, denn reparieren kann nur, wer die Ursache kennt. El Niño wird sich in ein paar Monaten wieder zurückziehen, wie er es immer tut, der menschengemachte Trend bleibt, bis wir ihn selbst beenden. Und genau das ist, allen Hitzerekorden zum Trotz, eine hoffnungsvolle Nachricht: Die Diagnose steht, jetzt ist Behandlung dran.
