Wird es kälter, weil es wärmer wird?

Was viele Medienberichte gerne unterschlagen: Es gibt noch einen dritten Akteur, und er spielt eine Etage höher. Der stratosphärische Polarwirbel ist ein riesiges Kaltluftgebiet, das im Winter dreißig Kilometer über dem Nordpol rotiert, weit oberhalb des Jetstreams. Normalerweise hält er die kalte Luft zuverlässig eingesperrt. Doch etwa alle zwei Jahre gerät er aus der Form: Er verlagert sich, streckt sich bohnenförmig oder spaltet sich auf.

Wenn das geschieht – Fachleute sprechen von einer „plötzlichen Stratosphärenerwärmung“ –, kann kalte Luft nach Süden entweichen und den Jetstream von oben verstärken. Das Resultat sind die spektakulären Kälteeinbrüche, die ganze Kontinente in Atem halten. Im Winter 2024/25 konnte man diesen Mechanismus in Echtzeit beobachten: Ein gestreckter Polarwirbel reichte von Nordostasien über den Pol bis nach Nordamerika und befeuerte Kältewellen auf beiden Kontinenten gleichzeitig.

Ob der Klimawandel diese Polarwirbel-Störungen häufiger macht, ist eine der offensten Fragen der Atmosphärenforschung. Einige Studien finden Hinweise darauf, dass schwindende Schneebedeckung in Sibirien solche Störungen begünstigt. Andere Modellstudien sehen keinen klaren Zusammenhang. Selbst das Vorzeichen der Reaktion – also ob der Polarwirbel stärker oder schwächer wird – ist zwischen den Modellen umstritten.

Was bleibt – und warum das wichtig ist: